
Windkraft im Gersprenztal
Ein Faktencheck des „Faktencheck Windenergie“ (ELA)



Am 25. März 2025 veröffentlichte das Energiewerk Landkreis Aschaffenburg (ELA) einen Faktencheck, der Argumente „Pro Windkraft“ aufführen soll. Dieser wurde auch von REW (Regionales Energiewerk Untermain) und dem Planungsverband Bayerischer Untermain inhaltlich übernommen. Wir unterziehen diesen Faktencheck einem Faktencheck. Machen Sie sich selbst ein Bild!
Ehrenamtliches Engagement für Natur & Heimat
Ortschaften im Gersprenztal verbunden durch Natur und Gemeinschaft
Erhalt des Odenwälder Naherholungsgebiets
Versorgungssicherheit
Die Publikation fordert den planmäßigen Ausbau der Windenergie und anderer erneuerbaren Erzeugungsanlagen, die Erneuerung von Übertragungs- und Verteilnetzen, Schaffung von zusätzlichen Speicherkapazitäten und den Bau von wasserstofffähigen Gaskraftwerken.
- Der planmäßige Ausbau von Windkraftwerken kann nicht zur Versorgungssicherheit beitragen. Energielösungen für einen Industriestandort müssen immer und zu jedem Zeitpunkt liefern können: In Zeiten ohne Wind liefern Windräder keinen Strom. Der geplante kräftige Zubau ist eine Scheinlösung, denn die Multiplikation mit Null bleibt Null, egal ob wir mit 100, 1000, 10.000, 100.000, 1.000.000… Windkraftwerken rechnen.
- Zusätzliche Speicherkapazitäten sind absehbar nicht in Sicht:
- Entgegen aller Aussagen gibt es zwar punktuelle Verbesserungen, aber keine technischen Durchbrüche bei der Batterietechnik. Medienwirksam dargestellte Projektanlagen sind nicht für den Standort Deutschland skalierbar.
- Wasserkraft: Um fehlenden Strom aus Wind & Sonne für Deutschland ausgleichen zu können, müssten ein Wasserkraftwerk mit der vierfachen Wassermenge des Bodensees oder 250 Talsperren in der Größe der Edertalsperre zur Verfügung stehen. Dafür gibt es die geographischen Voraussetzungen nicht.
- Neue, wasserstofffähige Gaskraftwerke gibt es nicht. Sie sind noch nicht einmal in der Planung. Und wir benötigten etwa 50–100 neue Kraftwerke!
- Der Stromhandel in Europa leidet unter dem deutschen Sonderweg:
- Inzwischen installieren unsere europäischen Nachbarn sogenannte Phasenschieber, um ihre Netze gegen uns zu schützen!
- Mit dem Zubau von Wind- und Solarkraftwerken haben sich die notwendigen Eingriffe zur Stabilisierung des Stromnetzes exponentiell vervielfacht. Lagen sie Anfang der 2000er Jahre noch bei unter hundert, sind aktuell jährlich etwa 20.000 Maßnahmen notwendig. Die Kosten stiegen von 42 Mio. Euro auf aktuell knapp drei Milliarden Euro! Insgesamt mussten knapp 8.000 GWh Windkraftstrom abgeregelt werden, trotz eines windärmeren Jahres.
- Der Stromhandel wurde zu einem teuren Geschäftsmodell: Wenn Wind und Solar zu viel Strom anliefern, bezahlen wir dem Ausland einen Preis für die Abnahme, um unser Netz stabil zu halten. Im Jahr 2024 kostete Strom im Großhandel durchschnittlich 78,51 Euro pro MWh. Am teuersten war Elektrizität am Vorabend des 12. Dezember, als 936,28 Euro pro MWh abgerechnet wurden. In jeder zwanzigsten Stunde des Jahres 2024 gab es mehr Strom als Nachfrage – Produzenten mussten sogar dafür bezahlen, damit ihre Kunden Strom abnahmen. Dieser negative Kaufpreis betrug 2024 in der Spitze minus 135,45 Euro pro MWh.
- Die angebotsorientierte Nachfragesteuerung: Nachdem abzusehen ist, dass mit der gegenwärtigen Konstruktion der Energiewende die Bedienung der Spitzenlast eines Industriestandortes nicht 24/7 gewährleistet werden kann, soll die Nachfrage an das zur Verfügung stehende Stromangebot angepasst werden. Variable Strompreise haben nichts mit Marktwirtschaft zu tun, denn die Anreize werden aus dem jährlichen Steueraufkommen der Bürger bezahlt. Die Umsetzung dieser Strategie ist mit dem beginnenden Einbau von sogenannten Smart-Zählern gestartet.
Wirtschaftlichkeit und lokale Wertschöpfung
Immer wieder werden die geringen Stromgestehungskosten als Argument für die erneuerbaren Energien Wind und Solar angeführt. Sie stellen aber keine belastbare Grundlage für die Entwicklung der Stromkosten dar. Erneuerbare Energien lassen sich nur in einem grundlastfähigen System betreiben. Deshalb sind die Systemkosten entscheidend!
- Die installierte Leistung in Deutschland ist vor allem wegen des Zubaus bei Windkraft und Photovoltaik seit Anfang des letzten Jahrzehnts um etwa 40 % auf 238 Gigawatt (GW) gestiegen. Zum Vergleich: Die Spitzenlast liegt in Deutschland in der Größenordnung von 80 GW – die installierte Leistung übersteigt die Spitzenlast also bereits um den Faktor 3.
- Die sinkende Auslastung treibt die Grenzkosten für die grundlastfähigen Kraftwerke stetig in die Höhe und macht sie unrentabel – gleichzeitig werden sie für die Versorgungssicherheit benötigt.
- Vergleicht man die tatsächliche Produktion mit der Nachfrage, ergeben sich sehr häufig im Jahr Versorgungslücken. Die dadurch entstehenden Kosten müssen durch Großkraftwerke aufgefangen werden und dementsprechend in die Berechnung einfließen.
Das Schlagwort „Lokale Wertschöpfung" ist im Kontext der politisch angelegten Energiewende ein falscher Begriff: In Wahrheit werden Werte in großem Maßstab umverteilt – Steuergeld, das an Betreiber und Beteiligte ausgeschüttet wird (Pachteinnahmen, subventionierter Stromverkauf). Ohne diese Subventionsmaßnahmen sind diese Systeme nicht wirtschaftlich.
Auswirkungen auf das Landschaftsbild
Wie der Faktencheck richtig schreibt, werden Windenergieanlagen im Landschaftsbild zunehmend präsenter. Da keine Notwendigkeit eines weiteren Zubaus besteht – das Gesamtsystem wird dadurch nicht stabiler –, braucht es auch keine Privilegierung von Windenergie im Außenbereich.
Abrieb von Rotorblättern
Dieses Thema ist im Faktencheck des Planungsverbandes nicht richtig dargestellt. Die aufgeführten Vergleiche sollen das Problem verharmlosen, passen aber nicht:
- Im Gegensatz zu alltäglichen Vergleichen (Pfannen, Backpapier) löst sich bei Windkraftanlagen das PFAS in kleinsten Teilchen, wird vom Wind unkontrolliert verweht und gelangt über den Boden in unser Trinkwasser.
- Der Planungsverband unterstreicht die Problematik selbst: „Trotzdem bleibt der Materialabtrag an Rotorblättern ein Problem, mit dem sich Hersteller und Betreiber weiter auseinandersetzen müssen." Und weiter: „Vor diesem Hintergrund wird aktuell über ein generelles PFAS-Verbot in der EU diskutiert und es laufen intensive Forschungsarbeiten zur Bereitstellung alternativer Materialien."
- Zusätzlich: Das Gas Schwefelhexafluorid (SF6) hat von allen bekannten Substanzen die stärkste Treibhauswirkung – es wirkt rund 22.800-mal so stark wie die identische Menge CO₂ und bleibt über 3.000 Jahre in der Atmosphäre wirksam. Beim Abbau besteht eine Verpflichtung zur umweltgerechten Entnahme, die technisch kaum möglich ist. Nordex und Vestas bestätigten, dass es derzeit noch keine Alternative gibt.
Sicherheit und Wartung von Windrädern
Wenn Windkraftanlagen im Wald aufgestellt werden, müssen Zuwegungen für mögliche Schadensereignisse offengehalten werden. Dies verursacht dauerhaften Aufwand und stört die Lebensgemeinschaft Wald nachhaltig. Vor allem die Brandschutzkonzepte stehen in der Kritik, da sie fast ausschließlich ein „kontrolliertes Abbrennen" im Wald vorsehen.
Bei Bruch sind oft weite Bereiche der Umgebung durch kleine Teile kontaminiert und werden für die weitere Nutzung lange unbrauchbar oder stark eingeschränkt. Zudem gilt: Sollte der Betreiber insolvent gehen, kann der Grundstücksbesitzer (Verpächter) zur Deckung entstehender Kosten herangezogen werden.
Finanzierung und Vergütung von Windparks
Im Fall von Bürgerbeteiligung trägt nicht nur der Betreiber das finanzielle Risiko – auch der beteiligte Bürger haftet. Scheitert das Projekt trotz aller Subventionen, ist der Bürger mit betroffen.
- Windgüte: Wissenschaftliche Studien besagen, dass die Nennleistung einer WKA nur auf Standorten mit mittleren Windgeschwindigkeiten von mehr als 12 m/s zu erreichen ist. Dieser Wert ist für die geplanten Vorrangflächen in der Region nahezu utopisch – die Maximalwerte in 200 m Höhe liegen hier um die 7,5 m/s. In Süddeutschland liegt die Auslastung von Windrädern laut einer NZZ-Studie bei 20 %, oftmals deutlich darunter.
- Bayerns Energiemix: Der politische Druck auf Bayern ist unbegründet. Bayern kann mit anderen Erzeugungsformen punkten, z. B. der Wasserkraft. Über 70 % der Bruttostromerzeugung stammte in Bayern im Jahr 2023 aus regenerativen Quellen.
- Geförderte Direktvermarktung nach EEG: Die Marktprämie berechnet sich aus der fixen Einspeisevergütung und dem durchschnittlich erzielten Preis an der Strombörse. Grundlage bleibt die steuerfinanzierte Einspeisevergütung – am Ende zahlt der Steuerzahler. Jahr für Jahr fließen mehr als 20 Milliarden Euro an Subventionen in die Energiewende, seit dem Jahr 2015 rund 500 Milliarden Euro.
Die Aussage, windschwache Standorte im Süden würden weniger Förderung erhalten als der Norden, bedeutet im Klartext: Windschwache Standorte werden hochsubventioniert, um eine Scheinwirtschaftlichkeit zu erreichen.
Von welchem Vorhaben sprechen wir?
Windparkanlage „Herrnwald-Heilsruh-Weißer Stein“ mit 5 Windrädern
Über der Ortschaft Wersau in Richtung Bierbach, in der Nähe des Weißen Steins, befindet sich eine Fläche, auf der potenziell zwei Windkraftanlagen errichtet werden könnten. Dieser Standort weist jedoch erhebliche Nachteile auf – insbesondere eine unzureichende Windausbeute, da bei vorherrschenden Südwestwinden die Neunkirchener Höhe als Windschatten fungiert.
Einige Bürger aus Groß-Bieberau haben die Idee entwickelt, die Fläche zu vergrößern und größere Windkraftanlagen zu errichten. Der Odenwald ist bereits stark von Windkraftanlagen beeinflusst. Um Widerstände zu vermeiden, wird versucht, wichtige Gremien der betroffenen Gemeinden – das Gemeindeparlament und den Bauausschuss – im Stillen zu beeinflussen.
Am 13. März dieses Jahres fand die erste Sitzung des Bauausschusses statt, in der dieses Vorhaben präsentiert wurde. Im Folgenden erläutern wir vier Hauptkriterien, die in einer Kosten-Nutzen-Analyse dringend berücksichtigt werden sollten:
- Waldbauliche Schäden und Naherholungswerte: Eine großflächige Erschließung im Wald mit breiten Straßen und Arbeitsflächen könnte die Waldbestände über 20 Jahre erheblich fragmentieren. Die Angabe, dass nur maximal ein halbes bis ein Fußballfeld pro Windrad benötigt werde, ist für solche Standorte nicht korrekt.
- Kontaminierungsgefahr des Waldbodens: Die Rotorblätter sind mit Epoxidharz beschichtet, welches Bisphenol A enthält – ein chemisches Sexualhormon, das potenziell krebserregend ist und die Trinkwasserversorgung der Umgebung gefährden könnte.
- Rückbaupflicht des Grundstückseigentümers: Der Eigentümer ist gesetzlich für die Rückbaukosten verantwortlich. Diese können aufgrund unzureichend kalkulierter Sicherheitsleistungen zu einer erheblichen finanziellen Belastung werden.
- Bürgerbeteiligung: Die Erfahrungen aus benachbarten Gemeinden zeigen, dass Bürgergenossenschaften in der Windkraft oft mit hohen Risiken verbunden sind. Die tatsächliche Windausbeute in Brensbach liegt mit weniger als 5,4 m/s als ungünstig. Darüber hinaus ist auch der potenzielle Wertverlust von Immobilien zu bedenken – Studien zeigen, dass Häuser in der Nähe von Windkraftanlagen oft um bis zu 25 % an Wert verlieren können.
Unser Ziel ist es, die betroffenen Bürger umfassend über das geplante Windkraftprojekt zu informieren, da wir der Meinung sind, dass die Kosten und der Nutzen nicht im angemessenen Verhältnis zueinander stehen. Wir fordern daher, unsere Petition zu unterstützen, die sich an das Gemeindeparlament Brensbach richtet.